Buchumschlag "900 Jahre Gompertshausen"

Buchvorstellung „900 Jahre Gompertshausen“

von Kurt Lautensack:

Kleinod zwischen Weinberg und Kreck – ein Blick auf unser Dorf

Im Rahmen der Festveranstaltung zur 900-Jahrfeier Gompertshausen erlebten die Gäste eine ganz besondere und außergewöhnliche Vorstellung der Ortschronik, auch Heimatbuch genannt.

Gompertshausen – „Was ist das Besondere an Gompertshausen? Diese Frage zu klären, erscheint mir schwierig, da es doch in der persönlichen Auffassung eines jeden Einzelnen liegt“, so beginnt ein Zwiegespräch zwischen Ulrich Lippmann und Frank Schneider bei der Vorstellung des Heimatbuches. Es gehört zu einer Art Vorwort des Wahl-Gompertshäuser Ulrich Lippmann, in dem er seinen Gedanken bei einer Wanderung durch seinen Ort bis hinauf zum geliebten Weinberg freien Lauf lässt. Antworten auf dabei auftauchende Fragen beantwortet Frank Schneider, der Gompertshausen mehr als ein halbes Leben lang kennt, oder er gibt sie sich selbst.
Doch wie bringt man einen ebenso spannenden wie interessanten Inhalt eines Werkes mit einer fabelhaften grafischen Gestaltung einem Publikum näher? Wäre das 300 Seiten umfassende Heimatbuch ein musikalisches Werk, so würde sich für das Zwiegespräch der Vergleich mit einer Ouvertüre anbieten, in der sich die Handlung widerspiegelt. Denn während Ulrich Lippmann durch die Ortsgeschichte im Zeitraffer „wandert“ und seine Blicke vom Weinberg hier und da zurück oder nach vorne schweifen lässt, setzt Frank Schneider die Paukenschläge und Trompetenstöße, sprich die Höhepunkte des Ortes und „seiner offenherzigen, gastfreundlichen und hilfsbereiten Menschen“. Und so tauchen beide ein in die Geschichte von Gompertshausen, in die ältere und jüngere, in vergangene und aktuellere Ereignisse, die der Ort in seinen 900 Jahren erlebt hat, begleitet von einer kleinen Fotoauswahl.
Die Anfänge von Gompertshausen liegen weit vor der urkundlichen Ersterwähnung, wie der Leser bereits im ersten Abschnitt erfährt. Danach wird man mitgenommen auf einer ersten Zeitreise, vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit, erfährt einiges über die Landwehr, dem untergegangenen Eschelhorn, über die Pest, den Hexenprozessen oder über die Schäden des 30-jährigen Krieges. Weiter führen uns die beiden Mitautoren Schneider und Lippmann im Wandel der Zeit durch Gompertshausen. Sie erinnern an die schmerzlichen Verluste an lieben Menschen, die die beiden Weltkriege mit sich brachten, aber auch an glückliche Momente, die im Heimatbuch mit vielen historischen Fotos unterlegt sind. Dazu gehörten natürlich auch die beiden Ortsjubiläen 1969 und 1994, bei denen tüchtig gefeiert wurde und bei vielen Gompertshäuser noch tolle Erinnerungen ins Gedächtnis rufen.
Dabei kam es ihnen nicht auf die Chronologie des Buches an, vielmehr sollten Einwohner und Gäste darauf aufmerksam gemacht werden, was sie alles in dieser Ortschronik erwartet. Und so plauderten sie auf sehr vergnügliche Weise, die dem Publikum immer wieder ein Lachen ins Gesicht trieb, nicht über Gott und die Welt, sondern über ihre Gompertshäuser Welt, die allen am Herzen liegt. So meinte Ulrich Lippmann beispielsweise, dass „Kirmes“ eines der ersten Worte gewesen sei, die er in Gompertshausen gehört habe. Sein Gegenüber gab dann auf seine Fragen geduldig Antworten, so dass ihnen ein lockeres und heiteres Gespräch über das „Kleinod zwischen Weinberg und Kreck“ gelungen war. Da war von Gompertshäuser Urgesteinen die Rede, von Backhausfesten, den Heimatabenden und dem Heimatdichter Johannes Hauck, von der Kindergarten-, Schul- und Kirchengeschichte, vom Handwerk, von der Feuerwehr oder von den zahlreichen Vereinen, die das dörfliche Leben prägen.
Der Wandel in der Landwirtschaft, die Arbeit in der LPG und die Zeit danach finden ebenso ihren Niederschlag wie die Zeit des Sperrgebietes und die unvergessene Öffnung des Grenzzaunes mit den gegenseitigen Besuchen in Alsleben und Gompertshausen. Auch das geschleifte Dörfchen und ehemaliger Ortsteil Leitenhausen ist mit seiner Geschichte für immer festgehalten. Gelungen ist in dem reich bebilderten Buch, in dem sich viele Einwohner wiederfinden, auch die Gegenüberstellung einzelner Gebäude früher und heute sowie eine vielseitige Bilddokumentation. Darüber hinaus ließ das Autoren- und Redaktionsteam viele Zeitzeugen, ehemalige Gompertshäuser, Einheimische oder andere, die den Ort als Zwischenstation ihres Lebens in Erinnerung hatten, zu Wort kommen. Es sind Geschichten und Episoden aus dem persönlichen Erleben heraus, die dadurch auch ein wenig Gompertshäuser Geschichte mit geschrieben haben. Allein weitere Stichworte zum Inhalt der Ortschronik würden allerdings den Umfang des Beitrages sprengen.
So bleibt als kleines Fazit eigentlich nur festzustellen, dass dem Autorenteam ein wahrhaft schönes Heimatbuch gelungen ist, das seinen Namen alle Ehre macht. Und wer nach der Buchvorstellung am Ende des Festkommerses bereits ein solches erworben hat, um am Tag darauf schon einmal darin zu blättern und zu lesen begonnen hat, der wird es bestätigen. Deshalb sollten die Macher des Buches an dieser Stelle dankenswerter Weise genannt werden. Es sind die Autoren Reinhold Albert aus Sternberg, Laura Bartenstein, Jutta Dumke, Erika Keßler, Bettina und Ulrich Lippmann, Antja Oestreicher, Traudel Renk und Teamleiter Frank Schneider aus Gompertshausen. Ein Dank gilt auch Mediendesignerin Almut Siller aus Themar und Bernhard Dölle vom gleichnamigen Verlag.