Gompertshausen

Neujahrsgemeinde: In Gompertshausen packen alle mit an

von Kurt Lautensack:

Das 900-jährige Ortsjubiläum ist Geschichte, doch die Geschichte des Dorfes geht weiter, wie es in der Neujahrsgemeinde mit Fakten und Daten unterlegt wurde.

Gompertshausen – „Das Dorf macht auf, die Leut lasst rein“, das war zwar nicht das offizielle Motto des Jubiläumsjahres, wie es Egon Weißmann formulierte, aber es mache deutlich, wie die Gompertshäuser zu ihrem Dorf und zu ihren Gästen stehen, herzlich und offen. Ebenso ungebrochen groß ist das Interesse der Einwohner am aktuellen Geschehen und an Veranstaltungen, was die Neujahrsgemeinde am Silvestermorgen wieder einmal eindrucksvoll bewies. Das sah wohl auch Heldburgs Bürgermeister Christopher Other so, der zusammen mit Ortsteilbürgermeister Ulrich Lippmann knapp 80 Frauen und Männer im Saal des Mehrzweckgebäudes begrüßen konnte.

Die traditionelle Neujahrsgemeinde lockte wieder viele Einwohner in den Saal des Mehrzweckgebäudes
Die traditionelle Neujahrsgemeinde lockte wieder viele Einwohner in den Saal des Mehrzweckgebäudes

Wie gewohnt, wurde zu Beginn den Verstorbenen eine Gedenkminute gewidmet, bevor er über die Haushaltslage informierte und einen kurzen Rück- und Ausblick gab. Zunächst ging Other auf die Einwohnerentwicklung der Stadt Heldburg und dem Ortsteil Gompertshausen ein. Zwischen dem 01.01.2019, dem Zusammenschluss von Bad Colberg-Heldburg, Hellingen und Gompertshausen zur Stadt Heldburg und dem Stand vom 23.12.2019 sei die Einwohnerzahl von 3464 auf 3427 zurückgegangen. Nicht so im zweitgrößten Ort der Stadt nach Heldburg, wo die Zahl um einen Einwohner auf 435 anwuchs. Dabei geht es in Gompertshausen ganz paritätisch zu, denn den 218 Männern stehen 217 Frauen gegenüber. Das mag mit am sich immer stärker ausdehnenden neuen Wohnbaugebiet liegen und damit auch am entsprechenden Anteil jüngerer Leute. Und vielleicht wird ja der nächste Erdenbürger ein Mädchen, dann besteht absoluter Gleichstand.
Christopher Other ging schließlich auf die Haushaltslage der Stadt ein, die anfangs etwas schwierig gewesen sei, bedingt auch durch die Übergangsphase und der Neuwahl erst im Mai 2019. Für diese Zeit dankte er Volker König, der als Beauftragter in der Übergangszeit tätig war. Dennoch habe man einige wichtige Maßnahmen „zur Erhaltung der kommunalen Infrastruktur“ tätigen können und sich den Herausforderungen gestellt. Was die Finanzsituation betreffe, so müssten Schwerpunkte klug gesetzt werden, denn, so der Stadtchef, „es geht nur nach und nach, wir können nicht alles auf einmal schaffen, es braucht eben auch Geduld“. Um alle Ortsteile „im Gleichklang“ mitnehmen zu können, habe man in den Orten Prioritäten setzen müssen (Freies Wort vom 31.12.2019), um auch das laufende Geschäft zu finanzieren. „Wir haben über 90 Liegenschaften, haben Straßen zu unterhalten und Kindergärten abzusichern“, auch wenn eine wichtige Einnahmequelle, der Wald, vollkommen wegberochen sei.
Als größere Maßnahmen für Gompertshausen nannte der Bürgermeister die komplette Erdverkabelung durch die SÜC Coburg (55 000 Euro) und die Erschließung des Wohngebietes (100 000 Euro). Aber auch kleinere Maßnahmen seien vorgesehen, so zum Beispiel die Gestaltung des Außenbereichs am Kindergarten für ca. 5000 bis 10000 Euro, Reparaturarbeiten am Mehrzweckgebäude und Arbeiten am Friedhof für jeweils 5000 Euro. Trotz der angestrengten Finanzsituation habe die Stadt nicht in die Haushaltssicherung gehen müssen, wofür er auch VG-Kämmerer Edgar Staudigel seinen Dank aussprach. Schließlich dankte er Vereinen, Gewerbe, Bauhof, Kita’s, Stadtrat und Verwaltung für die großartige Unterstützung, insbesondere auch den Gompertshäusern in einem turbulenten Jahr 2019. Was er bei Beratungen im Stadtrat oder mit den Ortsteilbürgermeistern als äußerst positiv empfand, „es gab keine Verteilungskämpfe“ und die Zusammenarbeit sei bestens.
Das schien ein Stichwort für Ulrich Lippmann zu sein, der seinen Gompertshäusern für das Jahr dankte und die Frage „warum hat alles geklappt“, gleich selbst beantwortete. Weil die Zusammenarbeit gut gewesen sei, alle Vereine mitgezogen haben und weil „alle es wollten“. Da passte gut ein russisches Sprichwort, ausgesprochen vom ehemaligen Bürgermeister Gerd Amrell, dazu: „Wenn jeder im Dorf einen Faden spendet, erhält der Nackte ein Hemd“. Und in Gompertshausen ist keinem das Hemd zu kurz. In seiner Amtszeit sei auch das Problem Gebietsreform und Zusammenschluss gefallen, der nicht nur aus seiner Sicht richtig war, weil man weiter dachte. Dabei fiel ihm ein chinesisches Sprichwort ein, in dem es heißt: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“.
Zur Neujahrsgemeinde gehört auch, dass sich Vereine und Gemeinschaften zu Wort melden, um sich für die Arbeit im Jahr bei Mitgliedern und Helfern zu bedanken. Der scheidende Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Bernd Roth, ließ aus seiner Sicht das Jahr Revue passieren. Himmelfahrts-Gottesdienst auf dem Weinberg, Kirchhoffest, Unterstützung beim Backhausfest, Tag des offenen Dorfes und das Adventskonzert waren Eckpfeiler der Arbeit der Kirchgemeinde. Dazu kam die Neuwahl von 10 Mitgliedern für den neuen Gemeindekirchenrat. Auch Thomas Treubig, Vorsitzender des TSV 08 Gompertshausen mit 139 Mitgliedern, blickte auf sportliche und andere Höhepunkte zurück, wie Kinderfasching, Familiensportfest, Plankirmes und aktuellem Sportbetrieb. Und während sich Enrico Götz, Wehrführer der FFw, sich im Namen seiner 26 Aktiven und acht Jugendlichen sowie des Fw-Vereins für mehr als 1000 Einsatzstunden und Vereinsaktivitäten bedankte, galt gleiches für Michael Specht als Vorsitzenden des Backhausvereins. Das ging natürlich nicht, ohne wenigstens einen Namen zu nennen, der gerade beim Dorfjubiläum eine treibende und führende Kraft war, Egon Weißmann. Ansonsten wurde absichtlich auf Namensnennungen verzichtet, denn wo sollte angefangen und bei wem aufgehört werden. Für die Dorfgemeinschaft wünschte er Gesundheit, Ehrlichkeit und ein Aufeinanderzugehen, denn sie seien der Garant für Zurückliegendes und Kommendes.
Ein Jubiläumsjahr kann natürlich nicht zu Ende gehen, ohne noch einmal Vorbereitungen zum Jubiläumsjahr, die schon im Februar 2017 begonnen hatten sowie das Jahr 2019 selbst ins Gedächtnis zu rufen. Das gelang Egon Weißmann auf eine sehr ansprechende Weise. Von der Frage, wie gestalten wir das Jahr über die einmalige Chronik, die „kein Buch, sondern ein Werk“ sei bis hin zur letzten Veranstaltung, eingeschlossen die begleitende Berichterstattung in Freies Wort, ließ er das Jubiläum vorüberziehen. Alle im Dorf wurden gebraucht und das Erfolgsrezept für seinen eingangs genannten Ausspruch rundete Gerd Amrell mit einer arabischen Weisheit ab: „Wer allein arbeitet, addiert, wer zusammenarbeitet, multipliziert“.
Das Jahr ging in Gompertshausen natürlich nicht ohne die Einlösung der Plätzchenwette am Silvesterabend zu Ende. Buttler James (Ulrich Lippmann) und Miss Sophie (seine Frau Bettina) ließen beim „Diner for one“ als Gäste (fiktiv) Platz nehmen: Bürgermeister Christopher Other, OTB Ulrich Lippmann, Frank Schneider (Teamleiter Chronik) und Pfarrer Johannes Heinze. Da heißt es nur noch: Auf ein gutes und erfolgreiches neues Jahr.

(Bilder und Text: Kurt Lautensack)